Der gute Platz in der Gruppe

Schon seit 23 Jahren: Hilfe und Selbsthilfe in der Frauengruppe der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Karlsruhe e.V.

von Dipl.-Psych. Anna Cathrin Gappisch

Eine Momentaufnahme: Raum suchen, Frauen suchen Raum – Ort: 1. OG, Nelkenstr. 17, Karlsruhe Zentrum – Frauengruppe – Mittwoch Vormittag:
Suchend läuft Silke (34 Jahre, alleinerziehend, zwei-jähriger Sohn) im Gruppenraum umher. Mal zögerlich, dann zielstrebiger, bleibt stehen, schaut um sich, sieht Frauen, Frauengesichter, Frauenkörper, sitzend, kauernd, stehend. Sie will einen guten Platz haben, an dem sie sich wohlfühlt, alle sehen kann. Sie merkt nicht gleich, welche Beziehung dieses Raumsuchen zu ihrem momentanen Leben hat, zu dem, was sie im Alltag manchmal quält.

Die Frauengruppe. Das klingt ja schon so etwas nach lila Socken, nach Häkeltaschen und nach Kaffeekränzchen oder Emanzen-Clübchen. Es klingt vielleicht so, aber es ist so etwas ganz anderes. Seit 23 Jahren treffen sich Frauen einmal pro Woche zwei Stunden unter professioneller therapeutischer Betreuung in der Karlsruher Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle, unterbrochen nur von Ferien. Die Frauengruppe. Angefangen hat sie vor über zwei Jahrzehnten als „Hausfrauengruppe“. Geändert hat sich der Name, geblieben ist zum Beispiel die kostenlose Kinderbetreuung während der Gruppenstunden. Für die Gruppenstunde selbst zahlt jede Frau 7,50 Euro. Manche Frauen bleiben viele Jahre, manche kommen nur wenige Male – Wechsel, kein Zwang. Manche steigen ein, manche je nach Lebensabschnitt wieder aus. Die Gruppengröße schwankt – zwischen fünf und 15 Frauen. Es gibt keine Alterseingrenzung. Wichtig ist der Wunsch nach Veränderung und, bevor es losgeht mit der Frauengruppe, kommt noch ein Eingangsgespräch mit der Therapeutin.

Direkt zurück in die Frauengruppe:
„Ich kann hier ganz verschiedene Frauen treffen, kennen lernen, und ich erlebe Sicherheit und Mut.“ (Elisabeth, 31 Jahre, technische Zeichnerin, arbeitslos, zwei Kinder, 6 und 10)
„Manchmal gehe ich aufgewühlt nach Hause und habe Denkanstöße für die ganze Woche.“ (Clara, 49 Jahre, arbeitet im Kleinbetriebes ihres Mannes, Sohn, 23, aus erster Ehe)
„Ich finde es toll, dass man wirklich über alles reden kann und dass es auch hier in der Gruppe bleibt, nicht rausgetragen wird.“ (Anna, 28, verheiratet, lässt sich umschulen)

Die Frauengruppe wird geleitet von den beiden Therapeutinnen Andrea Klaas und Eva-Maria Schaudel. Was stattfindet ist eine Mischung zwischen Einzeltherapie und der Wirkung von Selbsthilfegruppen; Gesprächstherapie, Psychodrama, Gestalttherapie, Rollenspiele, systemische Elemente, Familienaufstellungen, Traumarbeit, Körperarbeit – aus dem breiten Spektrum und der dynamischen Wirkung des Gruppengeschehens entwickeln sich die therapeutischen Ansätze.

Frauen erleben sich oft wie gefangen in Isolation und wie eingesperrt in fremden Mauern. Aufmerksamkeit, Austausch, wohlwollendes Zuhören, Schutz, um Neues zu probieren, genau das lässt aus einer Isolation Kontakt entstehen - aus Mauern eigene Grenzen. Weil es nur Frauen sind, die in der Gruppe zusammen kommen, weil keine Männer dabei sind, ist den Teilnehmerinnen ein leichterer und schnellerer Zugang zu ihrem eigenen Verständnis möglich.

Zurück in das 1. OG, Nelkenstrasse 17, zurück zur Momentaufnahme:
Silke sucht immer noch. Sie lässt sich Zeit. Die anderen Frauen im Raum lassen ihr Zeit. Silke probiert verschiedenen Plätze im Raum aus, verschiedene Körperhaltungen. Nah bei den anderen, weiter weg, dann wieder hin. Suchen und Finden. Schließlich findet sie einen guten Platz ... steht, fühlt sich sicher und kraftvoll. Die Frauen schauen sich an. Silke lächelt.

Frauengruppe – mittwochs 9-11 Uhr – Telephon: 0721 – 84 22 88


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