Der neue Trend:

Männer holen auf


„Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“, so lautet der Titel eines Buches, das sich mit „typischen“ Eigenschaften von Männern und Frauen beschäftigt. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind wichtig, denn sie sind der Grund für die Anziehungskraft zwischen Mann und Frau. Manch vermeintlicher Unterschied hat sich mittlerweile aber als Vorurteil entlarvt. Dies bestätigt der jüngste Jahresbericht der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle in Karlsruhe (Nelkenstraße 17). Jahrelang hieß das Klischee: Frauen fahren in Partnerschaften ihre emotionalen Antennen weit aus, sorgen für eine harmonische Beziehung und verzichten dafür auf Selbstständigkeit. Männern hingegen sei vor allem Unabhängigkeit, Sachlichkeit und Sachverstand wichtig - dafür seien sie emotional unterbelichtet und gesprächsunfähig, wenn es um Beziehungsfragen geht. Die neuesten Ergebnisse zeigen: die Männer holen auf. Waren nach der Gründung der Eheberatungsstelle in Karlsruhe im Jahre 1953 nur wenige Prozent der Ratsuchenden Männer, so suchten im vergangenen Jahr 529 Männer (41%) das Gespräch mit den professionellen Beraterinnen und Beratern. In den Einzel- und Paargesprächen ging es nicht nur um Ehen, die akut von Scheidung bedroht sind, sondern auch um Probleme in Partnerschaft, Ehe und Familie. Die Beratungsstelle bietet Hilfe bei Lebenskrisen im Zusammenhang mit Trennung, Krankheit, Trauer oder bei anderen belastenden Lebensumständen wie Arbeitslosigkeit oder Mobbing an. Insgesamt 3600 Beratungsstunden (darunter auch Trennungs- und Scheidungsmediationen) wurden im Jahre 2001 geleistet.

Die Altersgruppe, die mit Abstand am stärksten vertreten ist, sind die 30-bis 40-Jährigen. Die Paare, so heißt es im Jahresbericht der Beratungsstelle, stehen in dieser Lebensphase vielen Anforderungen gleichzeitig gegenüber: Als Eltern kleiner Kinder sollen und wollen sie ein intensives Familienleben gestalten, ihre gegenseitigen Wünsche an die Partnerschaft erfüllen und mit den Anforderungen des Berufslebens in Einklang bringen.

Auffallend hoch war im vergangenen Jahr der Anteil der Klienten, die aus dem Landkreis zur Beratungsstelle kamen. „Diese Zahl spiegelt die Wohnsituation junger Familien in Karlsruhe wider - ein Grund ist sicherlich, dass sie sich einen entsprechenden Wohnraum in der Stadt kaum leisten können“, vermutet Andrea Klaas, die Leiterin der Beratungsstelle.

Die Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle hat ihr Angebot im letzten Jahr erweitert. Es können muttersprachliche Beratungen durch die Beraterinnen und Berater selbst oder mit Dolmetschern in 7 Sprachen durchgeführt werden. Außerdem gibt es eine Frauengruppe und ab Herbst 2002 eine Männergruppe, die sich mit Lebens- und Partnerschaftsfragen unter dem speziellen Blickwinkel von Männern und Frauen beschäftigen.

Wer mehr über die verschiedenen Angebote der Beratungsstelle erfahren möchte, kann sich unter der Telefonnummer (0721)84 22 88 oder unter www.eheberatung-karlsruhe.de informieren. Die Beratungsstelle ist am Gutenbergplatz zu finden. Beobachtungen an den dortigen Parkplätzen führen zu einer weiteren Erkenntnis: Dass Männer besser einparken als Frauen erweist sich zunehmend als Klischee.


Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatung, Nelkenstraße 17, 76135 Karlsruhe Tel.: 0721/842288

Ansprechpartner: Dipl. theol. Michael Drescher


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