Das Thema des Vortrags von Frau Bank-Mugerauer am 12. März 2008 im Kolpinghaus hat erfreulicherweise ein großes Echo gefunden (über 70 Besucher!). Wir kommen gern der mehrfach geäußerten Bitte nach, die Texte der Folien bereitzustellen, um sie noch einmal nachlesen zu können.
Sie können die Texte auch als PDF-Datei downloaden und/oder ausdrucken. Bitte hier klicken.
„Das (Un-)Glück von Paarbeziehungen –
von ihren Chancen,
Risiken und Nebenwirkungen“
Stichworte zum Vortrag von Ursula Bank-Mugerauer
im Rahmen des „BeziehungsReiches“
Die Paarbeziehung ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit einem anderen Menschen. Und dadurch auch eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst. Allein das ist schon ein großes Glück!
Nichts fordert die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit im Erwachsenenalter so heraus wie eine konstruktive Liebesbeziehung.
Auf Dauer aber müssen Liebespartner damit leben, dass sie vom anderen immer nur begrenzt beantwortet werden.
Bindung und Freiheit Kooperation und Rivalität
Nähe und Distanz Altruismus und Egoismus.
Um diese Spannung kommt keine Paarbeziehung herum.
Aus ihr ergeben sich Konflikte.
Liebesbeziehungen sind nicht etwa rein harmonisch und selbstlos, sondern immer auch im positiven Sinne eigennützig und spannungsgeladen.
Die Spannungen können sich zu Krisen verdichten.
Um die Bedeutung von Krisen zu verstehen, ist es hilfreich, sich Paarbeziehungen als lebendige Systeme vorzustellen. Lebendige Systeme sind dadurch gekennzeichnet, dass sie sich nie über einen längeren Zeitraum in unveränderlichem Zustand befinden, sondern sich von einem Gleichgewicht über eine Krisenzeit in die nächste stabile Phase entwickeln. (Bild vom Mobile)
Diese Phasen lassen sich nur idealtypisch zusammenstellen, da es den typischen Verlauf von Paarbeziehungen schon lange nicht mehr gibt: Paare steigen in unterschiedlichen Phasen in ihre Paarbeziehung ein und aus und wieder ein.
Jede Phase stellt spezifische Herausforderungen dar für die Gestaltung der Beziehung und damit auch für die persönliche Entwicklung.
Entsprechend gibt es phasentypische Chancen für die weitere Entwicklung, jedoch nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen.Die Phasen-Darstellung orientiert sich an den Ausführungen von Jürg Willi in seinen Büchern „Was hält Paare zusammen?“ und „Psychologie der Liebe“ und integriert Aspekte aus dem Buch „Systemische Paartherapie“ von Arnold Retzer.
1. Liebessehnsucht
2. Partnerwahl
3. Verliebtsein
4. Leiden an der Liebe (Liebesenttäuschung und Einsamkeit in der Liebe)
5. Das Gestalten einer gemeinsamen inneren und äußeren Welt
Exkurs: Trennung/Scheidung
6. Zweite Lebenshälfte mit gelockerter Koordination der Lebensläufe
7. Umstrukturierung der Beziehung mit der Pensionierung (und Großelternschaft)
8. Altersehe
9. Auflösung der Lebensgemeinschaft durch Tod
Einander mit den zugehörigen Dauerproblemen zu ertragen in einer Haltung von Zuneigung, Respekt und Humor, das kommt einer sogenannten glücklichen Paarbeziehung vielleicht nahe.
Liebe kann dabei erheblich helfen (vorübergehend ersatzweise auch Freundschaft). Denn sie hilft, dem Ziel des Ertragens näher zu kommen.
So ist letztlich die Liebe der ausschlaggebende Faktor, wenn auch ein labiler Faktor und längst nicht der einzige, für eine dauerhafte Paarbeziehung. Zu ihr gehört erlebtes Glück ebenso wie empfundenes Unglück. Eine genaue Unterscheidung und Zuordnung ist im Rückblick oft seltsam schwierig.
Doch genau das spricht FÜR das Gelingen / das Glück des Abenteuers miteinander als Paar zu leben.
Anregungen zum Nachdenken
- Wozu fühle ich mich durch die Beziehung zu meinem Partner / meiner Partnerin persönlich herausgefordert?
- In welchen für mich zentralen Beziehungsbereichen bleibt mir der andere / die andere fremd und vermag mich nicht zu beantworten?
- Wenn ich an den Anfang meiner (einer für mich bedeutsamen) Paarbeziehung zurückdenke:
- Was hat mich damals angezogen am anderen?
- Was, glaube ich, hat damals meinen Partner / meine Partnerin an mir fasziniert?