5 Konflikte, die jedem Paar begegnen
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Im Jahr 2025 haben wir das erste Mal einen Abend unter dem Titel: "Fünf Konflikte, die jedem Paar begegnen ... und wie die Liebe daran wachsen kann" angeboten. Das Angebot erfuhr eine so große Nachfrage, dass wir es mittlerweile schon mehrmals wiederholt haben. Daher wollen wir auch an dieser Stelle einige der Anregungen und Ideen weitergeben.
Spiegelt sich in diesem starken Interesse etwas von den vielfältigen Konflikten auf unserem Planeten? Ist es die Suche nach Auswegen und Lösungen im Kleinen, die die Menschen bewegt?
Das Präventionsangebot bekam seinen Namen von einem Buch und Spiegelbestseller (2024) des Forscher- und Autorenpaars John M. Gottman und Julie Schwartz Gottman. Die beiden begleiten bereits seit Jahrzehnten tausende Paare wissenschaftlich. Ihre Studien zeigen die entlastende und realistische Botschaft: Konflikte sind normal. Entscheidend ist nicht, ob Paare streiten, sondern lediglich wie sie es tun. Dabei spielt eine Rolle, welche Konfliktstile die Partnerpersonen in die Beziehung einbringen.
Dabei beschreiben die Gottmans drei verschiedene Konfliktpaare.
• Das vermeidende Paar neigt dazu, das Positive zu betonen und das Trennende auszusparen.
• Das validierende Paar kann sich auf Unterschiedlichkeiten einlassen. Es diskutiert und arbeitet am Kompromiss. Jedoch weicht dieses Paar von der eigenen Einstellung zur Sache ab, um die großen Emotionen von sich fernzuhalten.
• Das impulsive Paar scheut sich nicht vor hitzigen Debatten. Allerdings liegt bei diesem Paar die Gefahr im Wettrüsten: der Streit kann leicht außer Kontrolle geraten.
Das Erfolgsrezept, unabhängig vom Konfliktstil, ist die Konflikt-Mathematik. Sie besagt, dass wir auf eine negative Interaktion einen Ausgleich von fünf positiven Interaktionen benötigen. Denn in einem Konflikt hat das Negative wesentlich mehr Gewicht in seiner Auswirkung auf die empfundene Beziehungszufriedenheit als das Positive. Für eine gesunde Beziehung und den Erfolg bei Auseinandersetzungen ist es laut Gottman und Schwartz-Gottman sehr wichtig, dass dieses magische Verhältnis von 5:1 eingehalten wird.
Möglichkeiten, Positivität in Konflikte zu bringen, sind z.B. eine Entschuldigung, ein Lächeln, ein zustimmendes Nicken auf eine Aussage, der Ausdruck von Mitgefühl, eine beruhigende Berührung, das Hervorheben von Gemeinsamkeiten oder die Übernahme von Verantwortung für den eigenen Anteil an der Auseinandersetzung. Paare spüren intuitiv, ob sie das Verhältnis einhalten oder nicht.
Ein Kernstück des Konflikt-Puzzles ist das Kontaktangebot. Dazu zählt jede Interaktion, mit der wir versuchen, die Aufmerksamkeit des Gegenübers zu bekommen. Damit ist jeder Kommentar, jede Geste, ganz gleich, ob positiv oder negativ gemeint, mit der wir auf unser Gegenüber zugehen. Diese Kontaktangebote sind für Beziehungen entscheidend für den Verlauf von Konflikten. Ebenso wie die Reaktion der Partnerperson auf den Kontakt. Die kleinen, alltäglichen Momente gehören dabei laut Gottman zu den wichtigsten Vorhersagefaktoren für das künftige Gelingen der Beziehung. Kontaktangebote, die mit Zuwendung beantwortet werden, sind die Währung für das emotionale Beziehungskonto.
Konflikte haben stets einen gemeinsamen Nenner: Wir übergehen die negativen Emotionen unseres Partners/ Partnerin. Doch die negativen Emotionen müssen Gehör finden, denn sie schaffen den Zugang zu den Quellen des Streits: zu den Werten, unbeachteten Bedürfnissen sowie den verborgenen Träumen. Da wir dies nicht zwangsläufig gelernt haben, kommen Konflikte oft an einen toten Punkt. Der Streit ist vielmals wiederholt, die apokalyptischen Reiter (Kritik, Rechtfertigung, Rückzug, Verachtung) erscheinen häufiger, die Haltungen polarisieren sich, wir verschließen uns gegenüber dem anderen.
Diese festgefahrenen Situationen können sich auflösen, wenn wir die verborgenen Träume dahinter verstehen. Für zufriedene, langfristige Liebesbeziehungen ist es wichtig, diese Quellen kennenzulernen.
Die Teilnehmenden unseres Angebots haben mit Neugierde ihren Konfliktstil entdeckt. Entlastung brachte der Austausch in der Gruppe und das Wissen, dass alle Varianten Stärken und Schwächen besitzen und was Paare im Konflikt Hilfreiches tun können. So möchten wir in unserer Arbeit den Menschen, die unter Konflikten in ihrer Beziehung leiden, Unterstützung und neue Handlungsoptionen für lösbare Konflikte anbieten. Wir möchten sie bei unlösbaren Themen gut begleiten, damit sie einen Weg finden, mit diesen umzugehen.